BARKOW LEIBINGER ARCHITEKTEN, BERLIN

"Der Spielraum, den Keramik als Materialanwendung für Fassaden bietet, ist groß. Unterschiedliche Form- und Farbgebung, technische Reproduktion für unterschiedlichste Bauelemente und hohe Widerstandsfähigkeit mit ausgezeichneter Temperatur- und Witterungsbeständigkeit."

NBK Kynaststr Berlin
B:HUB Kynaststraße, Berlin

Der Spielraum, den Keramik als Materialanwendung für Fassaden bietet, ist groß. Historische Beispiele aus der Moderne, von Louis H. Sullivans Wainwright Building in St. Louis bis zu Hans Poelzigs Haus des Rundfunks in Berlin, zeigten bereits vor 100 Jahren die industriellen Möglichkeiten des Werkstoffs: unterschiedliche Form- und Farbgebung, technische Reproduktion für unterschiedlichste Bauelemente und hohe Widerstandsfähigkeit mit ausgezeichneter Temperatur- und Witterungsbeständigkeit. Dank Unternehmen wie NBK erfährt diese Tradition, gepaart mit den neuen Möglichkeiten durch technologischen Fortschritt, eine zeitgemäße Weiterführung. 2004 entwickelten wir gemeinsam eine Fassade aus konkaven und konvexen Elementen für das Betriebsrestaurant des Ditzinger Hochtechnologieunternehmens TRUMPF.
Das Rauten-förmige Erscheinungsbild der individuell für dieses Bauvorhaben produzierten Fliesen spielt auf die polygonale Dachstruktur des Gebäudes an. Die in eine Form gepressten Steine wurden mit weißer, grüner und blau-schwarzer Glasur versehen, die Produktion war damals noch mit viel Handarbeit verbunden. In einer Reihe von Keramik-Workshops, die zwischen 2016 und 2017 in unserem Berliner Büro stattfanden, untersuchten
wir das Material sowohl als Formgeber als auch als Bauelement, insbesondere für Fassaden. Das Ziel dieser Übungen lag in formalen Experimenten mittels der Verarbeitung des Materials Ton mit verschiedenen Werkzeugen und Techniken. Die Produkte, die dabei entstanden, waren vielfältig: Gussformen, auf der Töpferscheibe gestapelte Spulenstrukturen, Tonplatten und extrudierte Elemente. Bei dem Bauvorhaben B-Hub in der Berliner Kynaststraße haben wir uns über die städtebauliche Figur der Fassade genähert. Durch leichte Knicke in der Kubatur des Gebäudes, das über eine Länge von 300 m parallel zum S-Bahn-Viadukt verläuft, entsteht
eine Gliederung, die durch differenzierte Fassadenschichten betont wird. Die Fassade wird durch ihre plastische Ausformung mit Gesims-Bändern,
Lisenen und Balkonen zu einer räumlichen Schicht und erhält ihren Rhythmus durch den Wechsel zweier Fassadentypen mit variierenden
Tiefen. Die vertikalen Lisenen und die Brüstungen sind mit Terrakotta verkleidet, im Sockelgeschoss mit Sichtbetonfertigteilen. Die Entwicklung der Terrakottaformen für die Verkleidung der Lisenen und der Brüstungen hat
einen langen Formfindungsprozess durchlaufen. Dabei wurden die technischen Möglichkeiten der projektbezogenen Mundstücke für die stranggepressten Profilplatten in ihrer Bautiefe voll ausgereizt (räumliche Schicht). Für die gewählte Form und Oberflächenstruktur wurde ein eigens
dafür abgestimmtes Tongemisch entwickelt, für die Farbe – wir haben uns nach vielen Tests für einen fast weißen Scherben mit einer milchigweißen
Glasur entschieden – eine Rezeptur, die nach vielen Versuchen den gewünschten Glanzgrad und die angestrebte Farbtiefe (Zweitbrand)
erreichte.

(c) Barkow Leibinger Architects

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