ARCHITEKT DIPL.-ING. ECKHARD WUNDERLING

"Feuer, Wasser und Ton. Der Begriff Keramik löst bei uns Architekten eine Reihe von Assoziationen aus. Und auch heute geht es bei der Produktion von Keramik – dieser uralten, immer wieder angepassten und verfeinerten Kulturtechnik – um die drei Grundelemente Feuer, Wasser und Ton."

Station Markt Leipzig
Station Markt Leipzig

Feuer, Wasser und Ton. Der Begriff Keramik lost bei uns Architekten eine Reihe von Assoziationen aus. Sei es die jahrtausendealte kunstvolle Gebrauchskeramik aus den Ursprungsländern Japan und China oder die reichen Mosaikarbeiten im persischen Isfahan des 16. Jahrhunderts. In der modernen Architektur leuchten der experimentelle Umgang Alvar Aaltos mit plastischer Wandkeramik oder die intensive Suche Jorn Utzons nach der idealen Plattierung der Schalen seines Opernhauses in Sidney hervor. In den letzten Jahrzehnten hat die Entwicklung von neuen bzw. perfektionierten Fertigungstechniken bei der Herstellung von keramischen Platten und Staben zu völlig neuen Möglichkeiten in der Architektur geführt. Sowohl die Dimensionierung, die Herstellungsgenauigkeit und die Verformungsmöglichkeiten von keramischen Platten haben sich rasant entwickelt. Im Strangpress- und Formpressverfahren können die vielfaltigsten individuellen Modellierungen wirtschaftlich hergestellt werden. Das Schwinden und Verformen der Keramik, die immer noch aus unter hohen Temperaturen gebrannten Tonmineralen besteht, wurde optimiert und eine hohe Maßhaltigkeit erreicht. Durchgefärbte Keramik in breiter Nuancierung wird ergänzt durch ein weit gefächertes Farbspiel der möglichen Glasuren.

In der Entwurfsplanung unseres Architekturbüros setzen wir uns bereits seit Mitte der 1990er Jahren intensiv mit keramischem Material für Wand-, Decken- und Bodenoberflächen auseinander. Prädestiniert für das Material sind Projekte, in denen die unterschiedlichsten Anforderungen aufeinandertreffen wie hochwertige Gestaltung, Wirtschaftlichkeit, Revisionsfähigkeit, Nutzerfreundlichkeit, Durabilität und ein komprimierter Bauablauf.

Ein solches Projekt ist die S-Bahn-Station unterhalb des historischen Marktplatzes in Leipzig, die im Dezember 2013 in Betrieb genommen wurde. Die geschwungene 150 m lange Stationshalle wird von nur wenigen Materialien geprägt: Keramikplatten und -stabe als Flachen, Weißbeton als Linien und gebürsteter Edelstahl als technische Elemente. Die Stationslängswände tragen eine geschuppte Fassade aus 1,50 m langen Keramikplatten, die Betriebsraume auf dem Bahnsteig und die Stirnwände der Station eine Fassade aus Keramikstaben. Die Fassaden erfüllen neben der gestalterischen Absicht diverse technische Aufgaben. So wird – um eine angenehme Raumakustik und gute Sprachverständlichkeit in der Halle zu erreichen – der Schall durch die offenen Horizontalfugen zwischen den Platten bzw. Staben von einer auf den Stahlbetonwänden aufgebrachten Glasgranulatschicht absorbiert. Der Kunstkritiker A. Bartetzky fasst seinen Eindruck von der Station in einem Artikel der FAZ zusammen: „Die Station Markt besticht durch besonders großzügige und freundliche Raumwirkung. Ihre rundum mit honigfarbenen Terracottaplatten verkleidete Bahnsteighalle von achtzehn Metern Hohe verbindet luftige Monumentalität mit Wohnlichkeit – beides Qualitäten, die in einer unterirdischen S-Bahn-Station

überraschen.“ Und was liegt naher am Ort der mittelalterlichen Tongrube der Stadt als der Bau einer hohen Halle mit dem prägenden Material Keramik als Referenz an den Ort. Denn auch heute geht es bei der Produktion von Keramik – dieser uralten, immer wieder angepassten und verfeinerten Kulturtechnik – um die drei Grundelemente Feuer, Wasser und Ton.

Eckhard Wunderling Dipl.-Ing. Architekt BDA DWB

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