DOCH NOCH AN DIE WAND GEBRACHT

Daniela Wienen 25/03/2019

Die LEGANES LIBRARY in Madrid wird nach acht Jahren Baustopp nun fertiggestellt

Ein bauliches Highlight sollte es werden. Eine Bibliothek, ausgestattet mit einer bunt engobierten Terrakottafassade. Die gebogenen Formen sollen Buchrücken an der Fassade symbolisieren. Farben, Formen und Oberflächen wurden dafür eigens entwickelt und hergestellt. So weit, so gut.

Doch dann kam alles erst einmal anders. Nachdem ein Teil der vollständig vorproduzierten Fassade im Jahre 2011 bereits montiert worden war, wurde die Arbeiten an der Fassade von einen Tag auf den anderen eingestellt. Zurück blieb ein Gebäude mit einer nur lückenhaft montierten Fassade. Wie ein thronendes Mahnmal für die damals kriselnde Bauwirtschaft des Landes sollte das Bauwerk nun für die kommenden Jahre einfach nur da stehen – mitten im Feld, verlassen, verweist – mit ungewisser Zukunft.

(LEGANES LIBRARY im Jahre 2011 kurz nach Einstellung der Montage)

Das gleiche Schicksal ereilte den bis dato zwar hergestellten, aber nicht ausgelieferten Teil der Keramikfassade. Mit dem wurde erst einmal so verfahren, wie man es auch gerne mit liebgewonnenen, aber ausgedienten Kleidungsstücken handhabt: Sie wandern hinten in den Schrank, mit der Option, doch vielleicht irgendwann noch einmal getragen zu werden. Meist bleibt es bei diesem Vorsatz, bis das gute Stück dann doch letztendlich in der Altkleidersammlung endet.

Auch die besagte Terrakottafassade wanderte erst einmal in eine dunkle Ecke ins Regal. Wo sie dann auch die nächsten acht Jahre verbleiben sollte, verbunden mit der Hoffnung, doch noch irgendwann einmal an die spanische Wand zu kommen. Das Material geriet fast in Vergessenheit, kochte aber von Zeit zu Zeit immer wieder hoch, und zwar immer dann, wenn dringend Lagerplatz benötigt wurde, oder bei Jahresabschlussarbeiten, weil es zum wiederholten Male gezählt werden musste.  Stimmen wurden laut, den „alten Kram“ doch endlich mal zu entsorgen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Und so entschied man sich für den Verbleib im Regal, entstaubte das Material regelmäßig, achtete auf den Erhalt der Vollständigkeit. Jahr für Jahr verging.

Aktuelles Bild der Fassade im März 2019

Doch Geduld und Ausdauer sollten sich auszahlen. Auch wenn es eigentlich niemand mehr erwartet hat, wurde das Gebäude nun mit neuer Kraft fertiggestellt. Und die schon fast liebgewonnenen keramischen „Ladenhüter“ konnten doch noch ausgeliefert werden. Und liefern den lebendigen Beweis dafür, dass Keramik nicht nur nachhaltig, sondern auch extrem witterungsbeständig ist: Nach Fertigstellung der Fassade sind die Elemente aus dem Regal von denen, die mehr als acht Jahre an der Bauwerkswand ausharrten, nicht zu unterscheiden.  Und wir sind überzeugt, dass die nun fertig gestellte Keramikfassade auch in den kommenden Jahren ihre Ausdrucks- und Strahlkraft beibehalten wird. Und freuen uns auf die Eröffnung dieses außergewöhnlichen Bauwerks.

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